In dem heutigen Beitrag widmen wir uns erneut den Selbstwicklern, die man als RTA, RDA und RDTA kennt. Dabei werden wir versuchen euch die notwendigsten Punkte (Grundwissen, Physik & Praxis) zu vermitteln, die man als Anwender im Alltag wissen sollte, und die leider viel zu oft – im schnell voranschreitendem Vape-Zeitalter – untergehen.

Bevor wir starten, möchten wir aber noch kurz das “Ohmsche Gesetz” erwähnen, welches euch für diesen Artikel bekannt sein sollte. Man muss es zwar nicht perfekt beherrschen, aber verstanden haben sollte man es schon. Fehlt dieses Grundwissen bislang, dann könnte man sich diesen Beitrag dazu durchlesen.

Wir werden uns in diesem Wissenswert-Beitrag im Bereich “Material” auf die bekanntesten Sorten beschränken, sprich weniger verbreitete Typen weglassen. Der Grund hierfür ist, dass der Markt mittlerweile viel zu unübersichtlich geworden ist, um diese in einen Grundlagenartikel, wie diesen, zu verpacken. Wir planen in Zukunft aber noch weitere E-Zigaretten Tutorials in diesem Bereich. Weiter geht es heute primär um den Gebrauch von Coils auf geregelten Mods, auch wenn wir an der ein oder anderen Stelle auch Bezug hinsichtlich “Ungeregelte Dampfen” nehmen bzw. es thematisch anreißen werden.

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Selbstwickler – Materialien

Fangen wir also mit dem Material an – zum Vergleichen nutze wir die Werte für 30GA bei 70 mm Länge.

Ohm = Widerstand
TCR = Temperaturkoeffizient – wie stark sich der Widerstand durch das erwärmen verändert
HC = Heat Capacity – wie träge ein Draht aufheizt und abkühlt. Niedriger ist schneller und damit in der Praxis besser

Zunächst ein Mal die Werte, die wir später erneut aufgreifen werden.

Kanthal A1

1.99 Ohm

0.000002 TCR

11.36 HC

NiCr 80

1.49 Ohm

0.000112 TCR

12.92 HC

Edelstahl 316

1.06 Ohm

0.000880 TCR

13.92 HC

TI

0.64 Ohm

.0.003660 TCR

8.06 HC

Ni200

0.13 Ohm

0.006000 TCR

14.11 HC

Kanthal

Kanthal ist eine Legierung, die in ihrer A1 Version aus Cr 22%, Al 5,8%, 72,2% Fe besteht

  • Aufgrund des recht hohen Widerstandes ist Kanthal grade im MTL-Bereich sehr beliebt
  • Der gute HC-Wert sorgt dafür, dass die Coil trotz des hohen Widerstandes relativ schnell anspringt
  • Kanthal ist im Mech-Bereich primär bei seriellen Boxen/Tubes sehr beliebt, da man hier den hohen Widerstand aufgrund der hohen Spannung braucht
  • Bei Solo/Parallelen Mods ist Kanthal in der heutigen Zeit außerhalb des MTL-Bereiches eher unüblich
  • Es gibt neuerdings einige Kritik da „Al“ enthalten ist, welches aber bisher nicht von Laboruntersuchungen getragen wird
  • Kanthal kann nicht TC oder via Replay gedampft werden

Ni80 / NiCr80

Ni80 bzw. NiCr80 ist eine Legierung aus 80% Ni und 20% Cr

  • Gerade im ungeregelten Bereich mit einem Akku ist Ni80 sehr beliebt, da es eine sehr einfache und stressfreie Nutzung erlaubt, da der Draht vom Ansprechverhalten und Leistungsbedarf sowie Widerstand gut mit der 3.7V Nennspannung harmoniert
  • Der Widerstand ist wie bei Kanthal relativ stabil, aber merklich niedriger, was bei gleicher Wicklung merklich mehr Leistung ergibt, wenn man ungeregelt dampft
  • Ni80 kann nicht TC gedampft werden – Replay ist nur eingeschränkt möglich

Edelstahl 316

Edelstahl 316 (es gibt Tausende, wegen der Ähnlichkeit beschreiben wir aber nur einen Typ) ist eine Chrom-Nickel-Molybdenum-Stahl Legierung mit 10-13% Ni und 16.5-18.5% Cr

  • Der Widerstand ändert sich bei der Erwärmung massiv,  was demnach auch TC und Replay dampfen erlaubt
  • Kann für jegliche Coil-Art gut verwendet werden

Titan

Titan ist rein von den Werten her vermutlich das beste Material, um geregelt zu dampfen

  • Leider ist es von der Bearbeitung und Verarbeitung nicht wirklich einfach und so hat es sich in der breiten Masse nie durchgesetzt
  • Man kann Ti sowohl geregelt als auch ungeregelt sowie im Watt als auch TC Modus verwenden
  • Man darf aber Ti nur ganz vorsichtig ausglühen und eine Coilreinigung via Alkohol wird von vielen bevorzugt, was aber nur bei Runddraht Sinn macht und demnach für die Nutzung von komplexen Coils eigentlich nicht sinnvoll ist
  • Glüht man Ti zu warm entsteht TiO2, was keinesfalls Inhaliert werden sollte
  • Ti kann via TC oder via Replay gedampft werden

Ni200

Ni200 ist reines Nickel, besitzt einen sehr niedrigen Widerstand und eignet sich optimal für den TC-Modus – Für den Watt-Modus ist dieses Material nicht geeignet

  • Von einer Verwendung sollte man heute eigentlich absehen, da der Widerstand im Vergleich zur Masse der Coil viel zu niedrig ist
  • Lediglich im MTL-Bereich macht die Verwendung noch Sinn
  • Man kann eine Ni200-Coil kaum ausglühen
  • Grundlegend hat Ni200 als Coilmaterial überlebt, man findet es teilweise immer noch in TC geeigneten Fertigcoils
  • Wer eine Nickelkontaktallergie hat, sollte sich Titan und Kanthal anschauen

Damit sind die Besonderheiten der üblichen Materialien grundlegend mal beschrieben. Es gibt natürlich noch hunderte andere Materialien, die verwendet werden können, (allein bei Kanthal und SS gibt es extrem viele Subtypen mit minimal anderen Werten) aber aktuell ist da der Marktanteil eher klein. Wolfram, Zirkonium, NI90 und viele andere kann man auch fertig für uns Dampfer vorkonfektioniert von der Rolle erwerben.

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Selbstwickler- Basiswissen

Viele Dampfer glauben immer noch, dass ein Draht mit einem hohen Widerstand, bei gleicher Leistung schneller warm wird. Er hat ja mehr “Widerstand” durch den der Strom durch muss. Das Stromwärmegesetz sagt, dass die Erwärmung im Quadrat zur Stromstärke steigt. Und das haben wir ja auch allem Mal in der Schule gelernt … und sehen es jeden Tag indirekt in der Praxis.

Aus genau diesem Grund wird in Überlandleitungen hochgespannt und mit vielen Volt und wenig Ampere der Strom übertragen. Bei niederohmigen Coils fließt bei gleicher Leistung demnach mehr Stromstärke und weniger Spannung! Was dann die Folge hat, dass bei einer Coil gleicher Masse mit niedrigerem Widerstand mehr Ampere fließen und somit die Coil schneller warm wird. So die Physik dazu.

Aber aller Physik und Regeln zum Trotz werden wir beim geregelten Dampfen kaum merkliche Unterschiede in der Ansprechzeit zwischen Kanthal, Ni80 und Edelstahl merken ( +-10-15%) – kann man zwar sicherlich messen, aber ohne es in der Praxis (beim Dampfen) zu merken. Lediglich Titan ist da so viel “schneller”, das man es in der Praxis ohne Messwerte spürt. Dafür ist das Handling von TI wie bereits erwähnt recht kompliziert.

Für uns in der Praxis ist primär die Masse der Coil wichtig, wenn es darum geht, wie viel Leistung sie braucht. Der Widerstand ist trotz allem “Volksglauben” fast egal, solange wir in den Leistungsbereichen bleiben, die unsere Akkuträger abbilden können. Also meistens zwischen 3V und 8V (Teilweise geht es schon bei 1V los, andere Mods gehen bis 12V – aber fast alle decken den Bereich 3-8V ab.)

Die oben genannten Beispiel-Coils aus je 70mm 30GA Draht brauchen alle ungefähr gleich viel Leistung und schwanken dabei vom Widerstand von 0.13 Ohm bis 1.99 Ohm! Das bedeutet für uns, dass uns beim geregelten Dampfen der Widerstand fast egal sein kann. Spätestens wenn wir in den Bereich der komplexen Coils gehen, wird das auch logisch. Da entscheidet ja nur die Seele (aka der Kern) darüber, wie der Widerstand ist, aber der Mantel muss ja auch mit erwärmt werden und der kann teilweise fast so viel Masse wie die Seele selbst haben. Hinzukommt, dass die Coil aufgrund der größeren Oberfläche ja viel besser vom Liquid gekühlt wird.

Verschiedene Coil/Drahtarten, die aktuell üblich sind

Die Masse der Bezeichnungen sind nicht genormt und in den Fällen darf jeder seine Coils so nennen, wie er möchte. Es gibt auch in der Vaping-Community keinen wirklichen Konsens – Dennoch haben sich bestimmte Bezeichnungen eingebürgert.

Ab wann man eine Clapton z.b. als Fine Fused oder Ultrafine Fused bezeichnen darf und kann ist auch heute noch strittig. Manche Coilbuilder machen das ab einem 36GA oder 38GA Mantel, während andere selbst bei 40GA für “zu dick” für die Bezeichnung “Fine Fused” halten – um euch ein Beispiel zu bringen.

  • Runddraht: Einfacher runder Draht
  • Flachdraht: Einfacher flacher Draht. Wird heute eher selten als alleiniges Material genutzt, ist aber oft in komplexen Coils verbaut 
  • Twisted Coils: 2 (oder mehr) ineinander verdrillte Drähte. Ist eigentlich eine Sonderform der „Parallelen Coil“
  • Parallele Coils: 2 (oder mehr – Die Werte beziehen sich aber auf 2 Coils) parallel gewickelte Coils (gleicher Art oder auch 2 verschiedene). Vorteil bzw. Nachteil sind Halbierung des Widerstandes im Vergleich zu einer Coil mit selber Anzahl an Wicklungen und ca. Viertelung des Widerstandes im Vergleich zu einer Solo Coil gleicher Masse aka mit doppelt so vielen Wicklungen
  • Clapton Coils: Ein Draht dient als Seele/Kern und dieser wird mit einem dünneren Manteldraht umwickelt. Der Widerstand richtet sich nur nach der Seele, aber man hat merklich mehr Oberfläche
  • Fused Clapton: Eine Clapton Coil aber mit 2 oder mehr Seelen. Wird meistens flach und parallel gefertigt, aber es gibt sie auch mit der Seele in twisted (wird dann meist als Twisted Clapton bezeichnet)
  • Alien Coil: Eine Sonderform der Fused Clapton, bei der der Manteldraht eine eigene Drehung mitbringt, was die typische wellenförmige Optik ergibt
  • Staggered Fused Clapton: Eine Fused Clapton bei der der Manteldraht zwischen den Seelen durchgeführt wird und die Seelen so nicht in direktem Kontakt sind
  • Stapled Clapton: Eine Fused Clapton, in der aber anstelle von Runddraht mehrere Flachdrähte als Seele dienen
  • Framed Stapled Clapton: Eine Stapled Fused Clapton mit jeweils einem Runddraht als Begrenzung mit Flachdraht dazwischen als Seele
  • Tiger Coil: Ein Runddraht, der von einem Flachdraht ummantelt wird. Also eine Clapton mit Flachdraht als Mantel
  • Juggernaught Coil: Eine Fused Clapton mit Flachdraht als Mantel
  • Braided Coils: Geflochtene Drähte als Coil. Eigentlich eine Sonderform der Parallelen Coil.

Es gibt noch viele weitere Sorten und teilweise kann man das Ganze in sich weiter kombinieren wie zum Beispiel eine “Claptoned Clapton”, bei der der Manteldraht einer Clapton selber eine feinere “Clapton Coil” ist – aber die oben genannten stellen heute die Masse der Coils da, die man nutzt und kaufen kann. Viele Coil-Builder versuchen allerdings ständig mit neuen Produkten für die E-Zigarette auf den Markt zu kommen und somit bleibt diese Liste eher ein Schnappschuss der aktuell üblichen Versionen.

Jede der oben genannten Coils hat in der Theorie und Praxis ihre eigenen Vor- und Nachteile. Keine davon ist pauschal “besser” oder “schlechter” und jede hat ihre Einsatzzwecke, auch wenn einige davon mittlerweile immer seltener verwendet werden, da es in der Praxis tauglichere Modelle gibt. Grundlegend ist es so, dass ein dünnerer Mantel besser anspricht und mehr Oberfläche mitbringt – dafür ist die Haltbarkeit der Coil geringer, da die Gefahr den Mantel bei der Reinigung und dem Watte-Wechsel zu beschädigen, höher ist. Coils aus einem Material, welches dick genug ist, um sich beim Wechseln der Watte nicht komplett zu verbiegen, halten eigentlich bei ordentlicher Nutzung und Reinigung sehr lange bis fast ewig.

Über den besten Weg eine Coil zu reinigen streiten sich mittlerweile die Geister. Früher wurden KA, Ni80 und SS Coils von den meisten Anwendern einfach ausgeglüht und mit Wasser abgeschreckt. Heute empfehlen gerade bekanntere Coil-Builder dies nicht zu tun, und empfehlen die Coils mit Bürsten zu reinigen. Wir haben euch im Wissenswert-Bereich zum Thema “Reinigung” bereits ein Tutorial veröffentlicht.

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– Jedes Tutorial unseres Info-Bereiches wird stets erweitert, sofern neue Tipps bekannt sind –